Anna Teil 3

”Nun, ich weiß nicht ... hmm ...”
”Lassen Sie nur gut sein” unterbrach er meine Suche seufzend, ”lassen Sie nur gut sein.”
Ich hob meinen Kopf und eine leichte Verwirrung mußte in meinem Gesicht gestanden haben, denn mit einem geheimnisvollen Lächeln betrachtete er mich und nahm einen Schluck Tee. Aber ich sah, wie seine Hand leicht zitterte und in seinen Augen eine merkwürdige Unsicherheit loderte.
”Was bedrückt Sie denn so” fragte ich ein wenig ärgerlich, denn langsam wurde ich es leid, im Ungewissen zu tappen und keinen Schritt vorwärts zu kommen.
Wieder seufzte er tief und begann, nervös auf seinem Sessel hin und her zu rutschen.
”Sie würden es nicht verstehen” antwortete er.
”Das müssen Sie schon mir überlassen.”
”Nein, mein Herr, damit machen Sie es sich zu einfach. Ein Gefangener bin ich und nur ich besitze den Schlüssel, der in unsere Freiheit führt.”
”Unsere” fragte ich erstaunt. Er sah mich überrascht an, dann schüttelte er seinen Kopf und blickte aus dem Fenster.
”Ja, unsere” sprach er mit leiser Stimme und schloß seine Augen. Eine Weile saß er so schweigend da, dann fuhr er herum und blickte zu den Tischen in dem Café.
”Mit jedem hier würde ich tauschen wollen, mit jedem hier.”
”Mir ist der Grund unbekannt, daher mag ich nicht urteilen darüber.”
”Glauben Sie es mir einfach” flüsterte er und griff sich plötzlich an seine Brust.
”Fühlen Sie sich nicht wohl” fragte ich besorgt.
Er atmete einige Male tief ein, dann ließ er die Hand langsam auf den Tisch gleiten.
”Danke, es geht schon wieder. Es ist ein Stechen im Herz, daß mich manchmal schmerzt. Es war schön, Sie wieder getroffen zu haben. Ich wollte mich, wie eingangs erwähnt, bei Ihnen für mein Verhalten beim letzten Mal entschuldigen.” Und nach einer kurzen Pause fügte er hinzu: ”Und vielleicht hatte ich etwas erhofft, aber ich war wohl zu gierig danach.”
Einen schnellen Gruß auf den Lippen erhob er sich, ging zur Theke und bezahlte die Rechnung. Er nickte mir im Vorbeigehen noch stumm zu, dann verließ er das Café und verschwand wieder in jener Seitengasse, die ihn schon vor Tagen verschluckt hatte. Nachdenklich trank ich meinen Kaffee zu Ende und trottete von einer merkwürdigen Gleichgültigkeit erfüllt meiner Arbeitsstätte entgegen. Wieder hatte dieser Mann meine Gedanken um sich geschart und wie ein aufgescheuchter Vogelschwarm wirbelten sie wild um ihn und um die geheimnisträchtigen Worte, die er gesprochen hatte. Was meinte er mit jener Hoffnung und warum fragte er mich nach etwas, daß mir an mir selbst mißfiel, daß ich nicht leiden konnte und doch unfähig war, abzulegen. Rätseln waren aus seinem Mund geflossen und ich spürte, daß hierin der Schlüssel zu seinem Geheimnis lag. Lang und endlos war die kommende Nacht, denn nach einer Erklärung, nach einer Antwort suchte ich, aber je verzweifelter ich mich darin verlor, desto größer wurde meine Verwirrung und erschöpft fiel ich in den frühen Morgenstunden in einen unruhigen Schlaf.

Es sollten wieder einige Tage vergehen, eine Woche oder auch zwei, bis ich ihn zu Gesicht bekam. Doch war es nicht Mittags, sondern später Nachmittag, als wir uns begegneten. Ich war an diesem Tag früher von der Arbeit gegangen, da mich eine tiefe Müdigkeit übermannt hatte nicht allzuwichtige Arbeiten auf meinem Tisch auf Erledigung warteten. Ich beschloß, daß Café aufzusuchen und dort etwas zu trinken. Groß war meine Verwunderung als ich eintrat und den Mann an einem Tisch sitzend erblickte. Kein Gast außer ihm befand sich in dem Café. Ein junger Mann stand gelangweilt hinter der Theke und blätterte in einer Zeitschrift. Langsam hob er den Kopf und mit müder Stimme begrüßte er mich. Ich nickte ihm zu, dann sah ich wieder zu dem Mann. Er hatte mich bemerkt und mit hastigen Bewegungen winkte er mich lachend an seinen Tisch. Ich legte den Mantel ab und ging zu ihm. Als ich auf einem Meter nahe gekommen war, stand er auf und umarmte mich wie einen guten Freund.
”Wie freue ich mich, Sie zu sehen” sprach er und eine dichte Wolke, die nach Wein und Bier roch, umschwebte mich. Verwundert von der breiten Herzlichkeit, mit der er mich empfing, setzte ich mich an den Tisch und bestellte eine Tasse Kaffee.
”Endlich habe ich mich zu einer Lösung durchgerungen” lachte er und streckte jubelnd beide Armen in die Höhe.
”Zu einer Lösung” fragte ich verwundert.
”Ein Ende ist in Sicht, jawohl, ein Ende” lachte er mich an, dann wurde seine Miene plötzlich finster und seufzend fügte er hinzu: ”Welch befreienden Klang doch dieses Wort besitzt.”
Er sah einen Moment nachdenklich zu Boden, dann schob er seine Gedanken mit einer Handbewegung weit von sich und blickte mir glückstrahlend entgegen.
”Ja, nun gehe ich dem Ende entgegen.”
”Von welchem Ende sprechen Sie” fragte ich interessiert.
Wieder wurde sein Blick ernst und langsam beugte er sich weit über den Tisch. Er sah mir tief in die Augen und eine Feierlichkeit schwang in seinen Worten mit, als er flüsternd sprach: ”Ich spreche von meinem Ende.”
”Nun, entschuldigen Sie,” lächelte ich verlegen, ”aber das klingt alles ein wenig morbid. Ich fürchte, ich kann Ihnen nicht folgen. Oder sagen wir, ich hege einen Verdacht, dem ich nicht folgen möchte.”
”Selbstmord” lachte er laut auf und schlug mit der flachen Hand auf den Tisch. ”Nein, davon spreche ich nicht. Dafür bin ich viel zu stolz.”
”Wenn Sie mir erklären, worum es eigentlich geht, dann kann ich Ihren Worten folgen. Verstehen Sie, ich stehe im sprichwörtlichen Regen. Ja, es scheint mir, als würden Sie zu sich selbst sprechen und nicht zu mir.”
Seufzend trank er sein Glas Bier leer und deutete dem Kellner, ein weiteres zu bringen und zudem ein Glas Wodka. Er lehnte sich zurück und verschränkte seine Arme hinter dem Kopf. Den Blick auf die Decke gerichtet begann er mit leiser Stimme zu erzählen.
”Unhöflich bin ich, ja, Sie haben recht. Unhöflich war ich mein ganzes Leben, ach, Unhöflich, welch nichtssagendes Wort.”
Er seufzte wieder laut auf, dann ließ er seine Hände auf den Tisch fallen und sah mich mit traurigem Gesicht an.
”Ich möchte Ihnen etwas erzählen. Es ist nur eine Kleinigkeit, es ist nur meine Geschichte. Ich weiß nicht, warum gerade Sie es sind, der mein Verlangen danach weckt, weiß nur, daß dies außer Ihnen noch niemand vollbracht hat und nach Ihnen wohl auch kein Menschen vollbringen wird. Einmal nur werde ich sie erzählen, einmal nur möchte ich sie aus meinem Mund hören, wie ein unbeteiligter Zuhörer, der mit den Worten mitfiebert oder an den sie stumpf dringen. Und Sie brauchen auch keine Angst haben, daß ich Sie hier für Stunden festhalten. Nein, ich werde nur soviel erzählen, wie ich als notwendig erachte. Ich zeichne Ihnen meine Konturen und werfe ein kleines Kerzlein in diese Dunkelheit. Es wird schon im nächsten Augenblick wieder erloschen sein, aber ich gewähre Ihnen einen unendlich langen Einblick in ... tja ... in mich. Doch was Sie sehen werden, daß vermag ich nicht zu sagen.”
Er schwieg einen Moment, dann räusperte er sich und fuhr mit ernster Stimme fort: ”Nun, ich bin das, was man gemeinwohl einen schlechten Menschen nennt.”
Abwehrend hob er seine Hand.
”Bitte wenden Sie jetzt nicht ein, daß dies ein äußerst weitläufiger Ausdruck sei. Nein, nehmen Sie es einfach so an, wie ich es gesagt habe. Das Nähere werden Sie schon noch erfahren. Ja, ich bin ein schlechter Mensch. Dies kann ich wunderbar verstecken, denn gute Manieren und ein freundliches Lächeln sind mir immer treue und hilfreiche Begleiter. Viel zu oft und viel zu leichtfertig wird einem stillen, in sich gekehrten Menschen, der schweigend durch diese Welt wandert und auf Worte vergißt, der Makel der Unhöflichkeit angehaftet, die in einem Zimmer unter dem Dach ”schlecht” haust. Ich denke, daß Höflichkeit die leichteste Form von Intelligenz darstellt. Danke und Bitte sagen kann jeder Mensch, grüßen ebenfalls und womöglich fließt ihm noch das eine oder andere freundliche Wort aus dem Mund. Man tut solchen stillen Menschen oft Unrecht. Denn man darf sich darüber kein Urteil erlauben, vergißt auf zuvieles. Gleichwohl wie dem Arroganz und Desinteresse zugrunde liegen kann es sich auch um Schüchternheit, Aufgeregtheit, Zerstreutheit, Unbehagen, Nachdenklichkeit und vieles mehr handeln. Manches davon mag den Menschen nur für einen Bruchteil seines Lebens streifen, ”er lachte kurz auf, ”an den sogenannten schlechten Tagen, und dann meint man schon, ihn zu kennen, glaubt, sein wahres Ich entdeckt zu haben, obwohl nur eine Faser seines Wesens aufblitzt. Manches davon aber ist fest in seinem Wesen verankert und unmöglich ist es ihm, dies von sich zu streifen. Man wird diesen Wesenszug niemals verlieren, immer wird er vorhanden sein. Aber gleich dem Jahresring eines Baumes wandert er still nach innen, beschützt und gedämpft von neuen Ringen, Erfahrungen, Erkenntnissen. Ich selbst kenne Menschen meines Alters, denen kaum ein freundliches Wort über die Lippen kommt. Aber es sind gute Menschen, hilfsbereite und ehrliche Menschen. Verstehen Sie, was ich damit sagen will? Die Höflichkeit ist allererstes Entscheidungskriterium, ob gut oder schlecht. Und doch ist sie so nichtssagend, denn gleich einem Werkzeug kann man sie anwenden, kann unter hunderten von Instrumentarien wählen und wird immer eines finden, welches eine Tür öffnet, hinter der man mit einem Lächeln erwartet wird und durch die man maskiert tritt. Nichtssagend ist die Höflichkeit, denn zunutzen habe ich sie mir gemacht, Schild und Schlüssel war sie für mich, nichts erschien mir je einfacher und anspruchsloser im Leben. Jedermann wurde höflich von mir gegrüßt, ein Bitte und Danke kam mir leicht über die Lippen und galt es, eine Tür aufzuhalten oder jemandem zu einem nichtigen Anlaß zu gratulieren, so war ich stets zur Stelle. Weder Alter noch Geschlecht, weder Herkunft noch Stellung, weder Sympathie noch Aversion waren für mich entscheidend.”
Schwer atmend lehnte er sich zurück, nahm einen Schluck Bier und ließ seinen Blick suchend durch das Café gleiten. Er verschluckte ein bitteres Lachen, dann sah er mich ernst an und erzählte mit ruhiger Stimme weiter.
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”Schlecht bin ich und Böse. Ja, in mir ist eine Gemeinheit vorhanden, die mich in der Nacht oft erschreckt hochfahren läßt. Wenn ich so auf meine Leben zurückblicke, merke ich, daß es nicht glücklich und nicht unglücklich war. Es war irgendwie ... nichts. Es war mir nicht tiefe Trauer und war mir nicht helle Freude. Gleichgültig und kalt bin ich allem entgegengetreten, ohne Empfindung. Nur die Farben schwarz und weiß hat die Welt für mich besessen und oft wunderte ich mich, daß sich die Menschen an Rot und Grün erfreuen können. So verzweifelt ich mich auch mühte, ich verstand es nicht, vermochte nicht, solche Farben zu sehen. Schon in der Kindheit litt ich darunter, beneidete die anderen und begann sie dafür zu hassen. In der Kindheit wurzelt der Ursprung allem Schlechten in mir und je mehr sich mein Leben dahinzog, desto dunkler war die Nahrung, die ich zu mir nahm. Ein schlechter Mensch bin ich, ein Mensch, dessen Gleichgültigkeit und Orientierungslosigkeit das Böse genährt hat und dessen Dummheit es großzog. Als Kind schon erfreute ich mich hinter der Maske der Trauer am Leid der anderen. Und wenn ich meinen Teil dazu beitragen konnte, so tat ich es ohne mit der Wimper zu zucken. In meinen Jugendjahren wiegelte ich unzählige Freunde gegeneinander auf, wußte oft mit dem rechten Wort eine Liebesbeziehung zu brechen oder gab den Lehrern an der Schule versteckte Hinweise, die schulische Untaten meiner Mitschüler verrieten. Dabei trieb ich es einmal so arg, daß ein guter, strebsamer Kamerad der Schule verwiesen wurde. Und ohne Reue, ja, mit dem unglaublichen Glücksgefühl, etwas geschaffen zu haben, sah ich ihm nach. Niemals entdeckte jemand, daß ich dahinter steckte, das ich Fäden spann, über die andere stolperten, zu gut war mir jedermann ob meiner Freundlichkeit gesinnt. War jemand trüben Gedankens, sprach ich ihm aufmunternd zu. Ich tat dies so, daß jeder es vernehmen konnte und erlangte dadurch den Ruf eines hilfsbereiten, einfühlsamen Menschen. Und natürlich kam mir auch zugute, daß ich mich keiner Gruppenbildung unterwarf. Stets war ich der Neutrale in den Augen der anderen. Sie dachten wohl alle, ich würde über solchen Dingen stehen, -ha-, unter ihnen stand ich und lauschte aufmerksam.

Ich erlernte eine Beruf und entdeckte zu meinem großen Erstaunen, daß es noch leichter war, Erwachsene zu täuschen als Kinder. Gut, ich hatte gelernt, doch hatten dies die anderen wohl auch. Aber hier war mir die Eitelkeit ein wunderbarer Helfer. Sie ist den Menschen ein wunder Punkt, eine Achillesferse, die es alleine schon zu streifen genügt, auf das sie sich schmerzvoll winden. Nun, ich war von einer Falschheit und Durchtriebenheit erfüllt, die mich wärmte. Es war das einzige in meinem Leben, daß mir Freude spendete und Genugtuung. Gütig und herzlich waren meine Eltern zu ihrem einzigen Kind, eine Güte, die ich nicht ertragen konnte. Mit zwanzig zog von meinem Elternhaus fort und bis heute habe ich sie nie wieder gesehen. Das erstaunt Sie, mein Herr? Mir war es große Erleichterung, denn unverstanden von ihnen taumelte ich durch meine Kindheit. Und namenlos lebten sie in der Jugendzeit an meiner Seite. Auch für so manchen Streit im Elternhaus zeichnete ich verantwortlich und glückserfüllt saß ich in meinem Zimmer und lauschte an der Tür, wenn sich meine Eltern in der Küche mit bösen, beleidigenden Worten bewarfen. Dies war mir, wie erwähnt, die einzige Freude im Leben. Hatte ich einen Streit gezündet, in dessen Feuer sich andere wälzten, wärmte ich mich zufrieden daran und betrachtete es wie ein von mir erschaffenes Kunstwerk mit glückstrahlenden Augen. Oft habe ich über diese Freude nachgedacht und bin über die Jahre hinweg zu der Meinung gelangt, daß es eine Art stiller Machtrausch war, dem ich mich unterworfen hatte, ein Machtrausch, der meiner Unzufriedenheit, meiner Unfähigkeit zur reinen Freude entsprang. Denn keinen persönlichen Vorteil zog ich aus all diesen Unstimmigkeiten. So durchlebte ich Kindheit und Jugend, zog in die Welt der Erwachsenen und trieb mein Spiel mit einem Lustgefühl, nach dem ich wahrhaft süchtig war. Die Schlechtigkeit war mir Leitfaden meines Lebens und mochte sich auch alles um mich verändern, so blieb sie starr und von ihr geleitet trat ich unverwundbar von einer Epoche meines Lebens zur nächsten. Natürlich ahnte ich schon in Kinderjahren, das meine Neigung nicht etwas war, mit dem ich prahlen konnte, wußte es in der Jugend vortrefflich zu verstecken und spielte es ruhig und abgeklärt in späteren Jahren. Es war Machtrausch und Rache an der Glückseligkeit der Menschen. Entsetzt schlug ich die Hände zusammen, wenn ich sah, an was allem sie sich erfreuen konnten. An Blumen, die am nächsten Morgen verblüht waren, an immerwiederkehrenden öden Sonnenuntergängen, an tristen Bäumen und nervendem Kindergelächter. Ein Hund, der sich lästig zu ihren Füßen trollt oder am Mond, der tot am Himmel hängt. Ich verstand es nicht und wünschte es doch so sehr. Und neidvoll trieb ich es immer bunter, ja, es gab Zeiten, da war ich regelrecht besessen und kein Tag verging, an dem ich nicht mein Spiel getrieben hätte. Und doch wucherte unaufhaltsam die Verbitterung in mir. Und je größer sie wurde, desto mehr verlangte ich wieder nach Macht und Rache. Welch Teufelskreis! Niemals empfand ich Reue oder schleppte mich mit einem schlechtem Gewissen durch diese Welt. So lebte ich dahin und dachte, niemals meine Freude an diesem Treiben und auch die schwach lodernde Flamme der Verbitterung zu verlieren. Verbitterung und hohle Freude, -ha-, wie Bruder und Schwester erscheinen sie mir, denn an dem Wichtigsten eines jeden Menschen Leben hängen sie und gleich einer Waagschale spielen sie Hand in Hand mit reiner Freude und tiefer Trauer. Aber damals dachte ich noch, bis ans Ende meiner Tage nichts von meiner Freude an diesem Spiel zu verlieren, zu weit thronte sie über der Verbitterung, die mich nur selten in der Anonymität der Nacht unliebsam überraschen konnte. Und da hegte ich im Stillen so manchen Zweifel, den ich aber sogleich heftig von mir stieß. Ja, so dachte ich, bis ich ... bis ich meine Frau kennenlernte. Und zum ersten Mal verfiel ich einem Menschen in Liebe, wünschte ihm nichts Böses und spürte die Kraft und das Verlangen, zu beschützen. Mein Gott, wie oft habe ich tausende von Kreisen in meinem Zimmer gezeichnet, bin auf und abgegangen, um dieses unbekannte Gefühl zu verstehen. Ein Blick in die Augen dieses Mädchens und ich fürchtete, auf das Atmen zu vergessen. Fünfundzwanzig Jahre alt war ich und meinte damals, daß meine Zeit ihrem Ende entgegenlief, wie auf einer schiefen Ebene, nichts mehr, über das ich stolpern konnte. Und dann kam sie, mein Engel, und schenkte mir ein Herz, daß die ganze Welt umschloß.”

(C) 2005 Oliver Forrest - Alle Rechte vorbehalten.

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