Der alte Fischer aus Patras (Griechenland) - Zweites Kapitel

Als der Fischer Giannis an diesem Morgen auf dem Weg zu seinem Boot war,
murmelte er ein stilles Gebet, in dem er um einen guten Fang bat. Stumme Schatten traten von allen Seiten zu ihm auf die Treppe und wie eine Glaubensgemeinschaft schlurften die Fischer schweigend zu ihren Booten.
Ein müder Ausdruck lag auf ihren Gesichtern und zeugte von einer langen Nacht in der einzigen Taverne des Dorfes. Vereinzelt unterbrach ein gähnendes „Guten Morgen“ die Stille, die über dem Dorf lag. Am Strand angekommen trotteten die Männer zu ihren Booten und bereiteten sich auf den Tag vor. Netze wurden hervorgeholt, Kübel und Messer griffbereit in einer Ecke verstaut und Bootswände sorgfältig geprüft. Etwa zwanzig Boote lagen auf dem Strand und in jedem herrschte an diesem Morgen emsiges Treiben. Einige Kinder kamen lachend die Treppen herabgelaufen und sahen den Fischern interessiert zu.
Nach etwa einer Stunde wurden die ersten Boote ins Meer geschoben und nach und nach folgten die anderen. Nach allen Richtungen tuckerten sie gemächlich dem erwachenden Horizont entgegen, bis auch das letzte vollends den Augen der am Strand spielenden Kindern entschwunden war.

Giannis hielt sich stets mit seinem Fischerboot gen Norden, während die anderen ihre Fahrt nach dem Süden ausrichteten. „Giannis, nördlich ist doch kaum mehr Fisch vorhanden“ pflegten sie ihm Tag für Tag zuzurufen, wenn sich sein Boot langsam von den anderen entfernte. Er winkte ihnen dann stumm zu und seinen linken Arm über den Motor gelehnt glitt sein Boot über die sanften Wogen der Einsamkeit entgegen. Zwei Stunden fuhr er zu dem Gebiet, in welchem er sich einen guten Fang versprach. Zwei Stunden, die er nutzte, um tagträumerisch die Hoffnung dieses Tages auszukosten. „Heute wird es mir gelingen, diesen Fang zu wiederholen“ murmelte er dann lächelnd mit geschlossenen Augen. „Alle drei Netze werde ich auswerfen und Gott möge es geben, daß meine Kraft reichen wird, sie wieder einzuholen. Ja, ich spüre es, heute ist mein Tag, heute ist der Tag.“ Und in diesen Momenten verschwanden all die letzten Tage der vergangenen Jahre, in denen sein Fang dürftig ausgefallen war und er sich mit dem Erlös gerade noch über Wasser halten konnte. Drei Netze, die er immer wieder auswarf und doch bei weitem nicht den Ertrag eines Netzes fing. Drei Netze, die er immer wieder auswarf und in denen sich doch kaum eine Frucht des Meeres verirrte. Aber beharrlich fuhr er immer wieder an diesen Ort, hoffend warf er immer wieder seine drei Netze aus und stumm litt er den ganzen Tag, in welchen sie in den Tiefen des Meeres seine Hoffnung trugen. Stumm saß er da, den Blick stets auf die Wasseroberfläche gerichtet. Und Sonne für Sonne gedachte er jenen Tages, an dem er Geschichte schrieb und der ein großes Stück aus ihm riß, um es niemals wiederzugeben. Nie wieder danach begann ein Tag wie alle vorhergegangenen. Dieser Tag veränderte seine Leben, seine Gedanken, formte einen neuen Giannis. Auch an diesem Tag lehnte er sich zurück und lächelnd erinnerte er sich jeder Minute dieses Tages. Heiß brannte die Sonne auf ihn herab und wie eine zartes Schlaflied vernahm er das sanfte Klatschen der Wellen an die Bootswände. Ja, fünfundzwanzig Jahre war es nun her, als er eines Morgens erwachte und ...

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... mit heftigem Kopfweh erwachte er. Bis tief in die Nacht hatte er mit Sajas die Geburt seines Sohnes Dimitrij in der Taverne gefeiert. Unzählige Flaschen Rezhina waren über ihren Tisch gewandert und jedes zu diesem Anlaß passende griechische Volkslied war zumindest zweimal an diesem Abend freudig gesungen worden. Und nun erwachte der Tag und bot sich seinen Augen doch als tiefdunkle Nacht dar. Er verfluchte sich seiner Unbekümmertheit des Morgens wegen und kroch mühsam aus seinem Bett. Langsamen Schrittes verließ er das Haus seiner noch schlafenden Eltern und mühsam wankte er die enge, lange Treppe zum Strand hinab. Für einen Moment durchfuhr ihn der Gedanke, heute auf eine Ausfahrt zu verzichten. Doch die sorgenvollen Gesichter seiner Eltern vor Augen fegte er ihn wieder in die Tiefe hinab, aus welcher er glückverheißend emporgestiegen war. Ein Freund des gestrigen Abends nahm den Arm Giannis´ und legte ihn schützend auf seine Schulter. „Du hast uns gestern wieder einmal gezeigt, wie ein Grieche zu feiern versteht“ lachte er ihn an, doch Giannis hatte nur ein müdes Lächeln für seine Worte übrig. Wehrlos ließ er sich über die Treppen führen und als sie den Strand erreicht hatten, fiel er erschöpft in den Sand. Erst als die letzten Boote ihre Fahrt
aufnahmen, stand er auf und schleppte sich mühsam zu seinem Boot. Ohne Vorbereitung bestieg er es, startete den Motor und lehnte sich an das Ruder. Doch kaum, das er einige Minuten fuhr, erbarmte sich der Schlaf seiner und mit einem zufriedenen Lächeln auf seinen Lippen fuhr er schlafend der Sonne entgegen. Als er zu Mittag erwachte, durchfuhr ihn heftige Angst. Er sprang auf und blickte nach allen Richtungen. Doch die Boote seiner Freunde, die Tag für Tag schützend zu beiden Seiten lagen – er konnte sie an diesem Tag nicht sehen. Er sandte verzweifelte Blicke nach allen Seiten, aber glatt spiegelte die See die Welt wieder.

(C) 2005 Oliver Forrest - Alle Rechte vorbehalten.

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