Der alte Fischer aus Patras (Griechenland) - Drittes Kapitel

Angsterfüllt setzte er sich neben den Motor und überlegte,
sich eilig auf den Weg zurück zu machen. Abermals erschienen die Gesichter seiner Eltern und die Rechtfertigung eines glücklosen Fanges erschien ihm ehrbarer als die der nackten Angst. Er stoppte den Motor und begann, seine drei Netze auszuwerfen. Jeder Fischer des Dorfes führte drei Netze bei sich, doch kaum, daß der Fang mehr als eines und ein halbes ausmachte. In jedem der Netze verfing sich kaum der halbe des möglichen Fanges und jeder Fischer, der darüberhinaus beglückt worden war, wurde über Jahre hinaus in den auf andere Dorfgemeinden übergreifenden Gesprächen in das unantastbare Kleid des Mythos gehüllt. Doch an diese Gespräche dachte Giannis nicht. Nur die Angst, mit leeren Netzen wieder in den Heimathafen zurückzukehren beschäftigte ihn und inbrünstig hoffte er, daß ihm die ausgeworfenen Netze zumindest ein volles beschienen. Den ganzen Tag saß er ungewohnt still auf seinem Boot und suchte nach einer Rechtfertigung für diesen Tag. Denn das er mit leeren Händen diesen Tag beendetet, daß stand für ihn außer Frage. Als die Sonne immer mehr den Horizont hinabglitt, stand er auf und begann, die Netze einzuholen. Er zog am ersten Netz und hielt verwundert inne. Es schien, als würde alle Last des Meers sich in diesem verhangen haben. Mit ärgerlicher Miene suchte er im Boot nach seiner Tauchermaske. „Es ist wohl an irgendeinem Fels hängengeblieben“ dachte er und verfluchte erneut den gestrigen Abend. „Hätte ich nicht solange mit Sajas in der Taverne gesessen, könnte ich nun meinen Fang einholen. Stattdessen befinde ich mich an diesem trostlosen Ort und muß fürchten, daß das Meer mein Netz zerstört hat.“ Der Gedanke daran ließ seinen Zorn steigen und verzweifelt riß er an dem Netz. Er spürte, wie es allmählich an die Oberfläche kam. „Seltsam“ dachte er bei sich und vermutete Gestein, daß vom Netz losgelöst wurde und sich verfangen hatte. Doch als das Netz langsam zum Vorschein kam, schimmerten ihm tausende von lebenden Farben entgegen.

Er stockte kurz, doch schnell wurde ihm sein Glück bewußt. Und mit aller Kraft zog er das Netz in sein Boot. Auch die beiden anderen Netze pulsierten vor Leben. Ohne noch den Umfang seinen Fanges zu erkennen ließ er sich erschöpft in das Boot fallen und steuerte den heimatlichen Hafen an. Erst als er ihn von weitem erkennen konnte, stand er auf und betrachtete die übereinandergelegten Netze. Fassungslos starrte er auf sie und im nächsten Moment fiel er auf die Knie, sich in Danksagungen an den Himmel ergebend. Mit staunenden Augen betrachteten die Fischer, die bereits am Strand eingetroffen waren und ihren Fang sortierten, seine über das Boot ragenden Netze. Aufgeregt kamen sie zu ihm gelaufen und überschlugen sich in Hilfsangeboten, auf ihre Arbeit vergessend. Drei volle Netze brachte Giannis an diesem Tag nach Hause, drei volle Netze, die das Dorf aufgeregt zu seinem Boot laufen ließ, seine Eltern glücklich die Hände vor Gesicht schlagen und ihn sich wie den glücklichsten Menschen der Welt fühlen ließ. Heiß lächelte die Sonne herab und sein Gesicht in den Händen vergraben spürte Giannis, daß Gott an diesem Tag mit ihm aufs Meer gefahren war. Den Abend und die Nacht hindurch wurde im ganzen Dorf gefeiert und er, Giannis, wurde als der berühmteste Fischer, der in dem Dorf das Licht der Welt erblickte, gepriesen. Im ganzen Land machte dieser Fang Kunde und unzählige Briefe erreichten ihn, aus denen vollste Bewunderung für seine Leistung sprach. In der Taverne wurde ein hölzernes Schild angebracht, daß den vollen Namen Giannis und das Datum dieses Tages zeigte. Jeder Mensch hat seinen Tag im Leben und Giannis wußte, daß dies der Tag des Griechen Giannis war. Aber er vermochte es nicht, das Gift dieses Tages zu schmecken. Er hatte solch einen Tag gekostet und nun wollte er um jeden Preis wieder ...

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Seit nunmehr fünfundzwanzig Jahren trennen sich die Wege der anderen Fischer von jenem Giannis´. Seine Eltern waren längst gestorben und doch verlor der Morgen nichts von seiner Hoffnung, die er stets mit sich brachte. Ja, und jetzt, heute, an diesem Tag, liegt er gerade in seinem Boot, längst nachdem er seine Netze ausgeworfen hat und gedenkt lächelnd jenes Tages vor fünfundzwanzig Jahren. Es war der Tag, der viele Wege ihrem Ende zugeführt hatte und einen neu beschrieb. Es war der Tag, der Giannis´ Seele mit solch einem Glanz versah, der seine Augen erblinden und seinen Geist stumm werden ließ. Er war der Tag, der Giannis´ Seele den Sinn seines Lebens einhauchte. Nur noch einmal wollte er die Freude dieses Tages wieder verspüren, nur ein einziges Mal noch. Und dachte er anfangs, bald wieder solch einen Tag zu erleben, so zerschlug die Zeit seine Hoffnung und änderte sein Wesen. Freude und Überschwang über solch einen wiederkehrenden Tag ist allmählich der Furcht, niemals wieder jene Sonne zu erblicken, gewichen. Und es war diese Furcht, die ihn langsam seiner Worte beraubte, es war die Angst, die ihn lähmte und nur die Erinnerung umklammert fest seine Seele und bindet verzweifelt den Geist, hoffend auf Leben. Fünfundzwanzig Jahre, die er seit diesem Tag dieselbe Route fährt und doch mit fast leeren Netzen beschließt. Aber jeder Morgen nährte ihn stets mit neuer Hoffnung, einer Hoffnung, der er sich freudig ergab. Und nur noch der Morgen war es, an dem man seine Lippen mit einem Lächeln umspielt sah.

Giannis liegt in seinem Boot und betrachtet den strahlendblauen Himmel. Alles Gute scheint er ihm zu verheißen doch viel zu oft lockte er schon. Nein, der Himmel kann ihn nicht mehr täuschen. Vieles birgt Hoffnung, doch die Wahrheit liegt in den Netzen. „Heute, ja heute wiederhole ich diesen Fang“ denkt sich der Fischer Giannis. „Zu lange schon hoffe ich, aber heute ist meine Geduld am Ende. Ich werde nicht wiederkehren, ohne solch einen Fang mit mir zu führen.“ So denkt der Fischer Giannis und lächelnd liegt er in seinem Boot. Niemand sah ihn je wieder.

(C) 2005 Oliver Forrest - Alle Rechte vorbehalten

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