Das abgebrochene Geschenk
und die tragischen Folgen - Kapitel 4

Langsam trieb die Menge (es mochten jetzt wohl um die dreißig Leute sein) in den Hausflur. Dort ergaben sie sich in hitzigen Debatten über den Verbleib der Exemplare und stellten die absonderlichesten Vermutungen auf, bis ein vom Ganglärm angelockter Verlagsangestellter aus seinem Zimmer trat und neugierig in die Runde blickte. Sofort bestürmten sie ihn mit der Frage nach der ausgebliebenen Zeitschrift und folgte betroffenes Schweigen, als der junge Mann den Grund hierfür verriet. Kaltlächelnd verschwand er wieder in seinem Zimmer.

Und nun begann ein Gärungsprozeß, erhob sich still und langsam in dem Einzelnen und mündete dann, wie sich ein kleines Bächlein einem Fluß zuführt, in die Menge. Einer nach dem anderen wurde kraftvoll mitgerissen und aller Zorn, alle Wut, alle Kraft flocht sich zu einer dichten, schwerdampfenden, allesumwälzenden Einheit. Die ersten Fluchwörter hallten laut durch den Flur und binnen Minuten schimpfte jeder der Anwesenden auf den Verlag und Herrn Planberger. Immer wütender, unkontrollierbarer, ausgelassener wurde die Kraft dieser Einheit und nun begann auch das Schicksal einen seiner üblen Streiche zu spielen, denn unglückseligerweise trat just in diesem Moment der nichtsahnende Geschäftsführer von der Straße in den Flur. Er nickte der Menge verwundert zu und wollte sich zum Lift begeben, doch die Menschen wichen keinen Schritt zurück. "Der Gerechtigkeit muss Genüge getan werden" schrie ein älterer Herr und wie auf ein vereinbartes Kommando traten einige Männer aus der Menge und begann den armen Herrn Planberger so heftig an der Schulter zu stoßen, dass er rückwärts taumelte und nur unter größter Mühe einen Sturz vermeiden konnte.

Mit kreidebleicher Miene richtete er sich auf und sah in die bösen, verzerrten Gesichter. Schnell traten weitere Männer und nun auch einige Damen auf ihn zu, umringten ihn und begannen, von allen Seiten nach ihm zu stoßen, wurde der Verzweifelte hin und her geworfen, ohne doch fallen zu können. Immer heftiger wurde dieses Geschubse und verbiss sich zudem der Hund eines Bewohners in sein linkes Bein. Ihre ganze Wut entlud sich an seiner Person und ein Ende der Eskalation war nicht abzusehen. Ein älterer Herr, der still in der hinteren Reihe stand, trat mit entschlossener Miene hinzu, zog aus seiner Westentasche einen Revolver und richtete ihn auf den erschöpften, verängstigten Mann. Und als ein lauter Knall schier endlos im Flur widerhallte, da verstummten die Menschen und betrachteten den seltsam verkrümmten Körper, der tot am Boden lag. Ein merkwürdiges Gefühl der Scham begann sich ihrer zu bemächtigen.

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Niemand wagte, dem anderen ins Gesicht zu blicken. Die Einheit war aufgelöst, das gemeinsame Ziel erreicht, der Weg zu Ende gegangen und man hatte sich nun wieder sich selbst zugewandt. Doch getraute sich noch keiner so recht, als Erster aus dieser nur noch den Augen nach sichtlichen Gemeinsamkeit auszubrechen, wollte nicht derjenige sein, an den man sich erinnern würde. Denn alle Nachfolgenden würde man nicht mehr sehen, nicht wahrnehmen, sich ihrer nicht mehr entsinnen. Der Erste aber würde immer am Ende dieses Bildes stehen. Und so schwiegen sie im Flur dahin, bewegungslos, ratlos, mutlos, manch einer von ihnen sogar gedankenlos und hätte nicht der Hund erneut zu bellen begonnen, so würde sie wohl heute noch dort stehen. Das Bellen riß sie aus der eingekehrten Lethargie und nun begann einer nach dem anderen mit gesenktem Haupt seiner Wohnung entgegenzutrotten. Erst als sie die Wohnungstüren hinter sich schlossen wich die Beklemmung einer stillen Zufriedenheit. Dies war das Ende des "Naturfreunde"-Verlages. Die Zeitschrift wurde eingestellt, die Angestellten entlassen. Aber wie hätte jemals ein Mensch die Tragweite Planbergers Handlung vor zwei Jahren auch nur zu erahnen vermocht?

(C) 2005 Oliver Forrest - Alle Rechte vorbehalten.

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