Wiederkehr

"Geliebter, ich bin zurückgekehrt!!!"

Mit diesen Worten begann der mit tiefdunkler Tinte in schwungvollen, sich nach allen Richtungen weit erstreckenden Buchstaben geschriebene Brief. "Geliebter, bald sind wir beide wieder vereint" fuhr er fort und wies im folgenden auf den Ort und das Datum seiner Geburt hin. "Wien, der 12. Juni." Vor zwei Tagen also saß sie über dieses Blatt Papier gebeugt und schrieb diesen Brief an ihn. Er konnte förmlich die Wärme ihres Körpers in seinen Händen spüren. Ein Schauer begann ihm über den Rücken zu jagen und stirnrunzelnd las er mit ernster Miene weiter. "Glücklich bin ich, Geliebter, so unsagbar glücklich, Dich in meiner Nähe zu wissen. Ja, es scheint mir, als könnte ich in meinem kleinen, stillen Zimmer Deinen Atem vernehmen. Und wenn ich meine Augen schließe, so steigt der Duft Deines wunderbaren Körpers von tief auf, um sich in diesem Zimmer zu verbreiten. Dein Photo liegt vor mir auf dem Tisch. Jenes Photo, daß ich damals in einer wunderbaren Sommernacht auf dem Kobenzl aufnahm.

Wir liebten den Kobenzl. Alle Menschen dieser Stadt scheinen ihn zu lieben. Erinnerst Du Dich noch dieser Nacht? Als wir eng umschlungen mit unseren Augen den mit Sternen übersäten Himmel entlangwanderten und davon träumten, auf einem von ihnen für alle Ewigkeit zu leben, zu lieben. Keinen Menschen fürchtend, die Zweisamkeit als Verschmelzung unserer Seelen ersehnend. Als wir erkannten, daß wir unsere Wege übereinander legen mußten und dies auch flammend verlangten. Zwei Wege, die zu einem werden und auf welchem wir uns, bedeckt mit diesem wunderbaren "für immer" einander gehorchen und führen. Erinnerst Du Dich noch an die Versprechen, die wir uns zärtlich einander zuflüsterten? Die Gelöbnisse, von dieser wunderbaren Nacht in eine Heiligkeit getaucht, die sie als das einzig Wahre dieser Welt erscheinen ließ? All die Nüchternheit des Lebens löste sich auf und entschwand wie weißer Rauch im Dunkel der Nacht. Wie unsere Lippen unter den Küssen erbebten, wie unsere Körper unter dem Mantel der Liebe erzitterten. Dein Körper war meiner und mein Körper der Deinige. Verschlungen habe ich Dich, Deinen Körper und Deine Seele gierig in mich gesogen. Wieder und immer wieder habe ich mich von Dir ernährt, hast Du mich wachsen lassen, wurde ich groß und stark durch Dich. Unsterblichkeit hast Du mir gegeben, mich unverwundbar dieser Welt entgegentreten lassen.

Der Gedanke an Dich, Dein in meinem Geiste gezeichnetes Gesicht war mir Schutzschild gegen alles Schlechte dieser Welt. In welcher Düsterkeit auch jede Minute begann, sie endete doch immer mit einem Lächeln. Du warst es, der sie erhellte, sie freundlich und lebenswert erscheinen ließ. Du warst es, der mir jede Angst nahm und nur noch eine einzige tief in mir schlummern ließ - die Angst, Dich zu verlieren. Diese Sehnsucht nach Dir, die ich empfand, brennend war sie und süß. Ja, durch sie erfuhr ich erst, daß Sehnsucht ein süßer Schmerz ist. Sehnsucht, die man erfüllt werden weiß. Sie hielt mich in den einsamen Stunden des Tages an Leben, hielt mich am Leben nur für die Abende, die wir wieder verbringen würden. Abhängig war ich von Dir. Von Deinem hübschen Gesicht, von Deinen starken Armen, von Deinen lachenden Augen, von Deiner sanften Stimme. Das Elixier des Lebens warst Du für mich. Und das Elixier des Lebens bist Du für mich. Nur Deine Flamme vermag es, mich zu wärmen. Tot wäre ich, wüßte ich, daß es Dich nicht mehr gäbe. Jedes Deiner Worte an mich erklingt in meinem Ohr, eine süße, liebesdurchtränkte Melodie, die meinen Körper beben läßt. Jeder Deine Blicke trifft mich, wandert durch meine Augen mitten in mein Herz, mir Kraft und Wärme spendend wie es nur Deine Blicke vermögen. Ich sitze in diesem engen kahlen Zimmer, umschlossen von tristen schmutziggrauen Wänden und doch ist es von einer Helligkeit durchflutet, einer Helligkeit, die durch Dich, Geliebter, die durch Dich in dieses Zimmer strömt. In jeden Winkel, in den ich blicke, sitzt sie und gibt diesem Zimmer etwas paradiesisches. Wie ein Garten mit den herrlichsten Blumen erscheint es mir, erschaffen nur durch Dich. Dieser Brief läßt mich Dich berühren, läßt die Einsamkeit dieses Raumes verschwinden, durchfährt mich mit einer lange nicht mehr erlebten Glückseligkeit. Kannst Du das Pochen meines Herzens vernehmen? Nur für Dich schlägt es noch. In jedem Schlag, den es tut, liegt auf dem sanften Bette meiner Fasern des Herzens Dein Gesicht. Spürst Du, wie sie es umschmiegen, vor allem Unheil schützen? Spürst Du es, Geliebter? Ich sitze in diesem grauenvollen Zimmer und nur Du machst es mir erträglich. Nicht einmal über diesen Raum kann ich klagen, nein, die Kraft fehlt mir dazu. Du hast sie mir geraubt, hast sie gierig an Dich genommen. Aber ich habe sie mir nehmen lassen. Ja, mit einem Lächeln habe ich sie Dir bereitwillig gegeben, wissend, daß Du mit ihr umzugehen weißt.

Nur Du weißt ihren Wert zu schätzen, nur Du vermagst es zu ermessen, welchen Schatz Du in Händen hältst. Und nur Du bist in der Lage, diese Kraft zu nähren, das Feuer dieser Kraft zu schüren. Wie schön Du doch anzusehen bist, Geliebter. Das Photo, welches vor mir auf dem Tisch liegt, es scheint zu leben. Ja, ich sehe, wie es den Tisch entlangtänzelt. Nun ist es über diesen Brief geglitten und hat meine Hand gestriffen. Wie ein Blitz hat es mich eben durchzuckt, wie ein Blitz, der den mit dunklen Wolken verhangenen Himmel mit einem Mal entschleiert hat und ihn nun in hellem Blau mit vereinzelt weißen Wolken über meinem Kopf zeichnet. Sanft werden diese Wolken von einer leichten Brise gezogen. Sie wandern, diese Wolken, sie wandern von diesem Zimmer, von mir ... sie wandern zu Dir. Dein Bild, es beginnt nun zu schweben. Dein Gesicht auf diesem Photo, Deine Lippen, sie formen sich zu einem Lächeln. Und nun flüstern sie mir Worte zu, Geliebter. Klar und deutlich kann ich sie hören. Es sind Worte, die mich rufen ... Geliebter, ich höre Dich rufen. Ich werde Deinem Verlangen nachgeben, ergebe mich meinem Verlangen, bald werde ich kommen - zu Dir! Deine Augen auf diesem Bild, sie blicken auf mich aufgewühlte See. Alles Leben habe ich See verschlungen und wieder an Land gespült. Nur noch Platz für Dich habe ich. Vorbei die Zeit der geglätteten Wogen, vorbei die Zeit, als kleine Steine in mich fielen, die immer größere Kreise zeichneten, um dann fern am Horizont zu verschwinden. Wild peitscht mich nun der Wind zu Dir empor. Spürst Du, wie ich See mich aufbäume, wie ich versuche, Dein Bild zu erreichen? Nur noch für Dich werde ich mich Aufbäumen. Gegen alles, was Dir Schaden zufügen möchte, gegen alles Böse werde ich kämpfen, um Dich, Geliebter, zu beschützen, vor Unheil zu bewahren. Nur noch Dich gibt es für mich. Wie schön Du doch bist, Geliebter. Ich kann es Dir nicht oft genug wissen lassen. Die Freude ist es, die mich dazu treibt. Sie zwingt mich, sie drängt es mir auf, sie läßt es mich aus dem Tiefsten verlangen, Dir dies immer wieder in Dein Ohr zu hauchen. Ach, wie schön Du doch bist ... Deine Augen lächeln mir unaufhörlich zu. Wie sehr habe ich diese Augen vermißt, wie sehr Dein dunkles, kurzes Haar, durch welches ich glücklich unzählige Male meine Hände haben gleiten lassen, um gleich darauf mein Gesicht in sie zu legen und Deinen Duft in mich aufzunehmen. Wie ein warmer sonniger Frühlingstag dufteten sie. Und wie eine warmer sonniger Frühlingstag duften sie - auch jetzt.

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Ach, Geliebter, hörst Du mein Seufzen? Dir gilt es, nur Dir. Es ist ein freudiges Seufzen, ein Seufzen daß nur jenem Tag gilt, der uns beide zueinander führen wird. Wir beide, Geliebter, wir beide sind füreinander bestimmt. Du weißt es, Geliebter, und ich weiß es. Keiner von uns kann sich dagegen erwehren. Aber weshalb sollten wir dies auch? Alle Glückseligkeit wird uns empfangen, das Universum selbst erstrahlt vor Freude. Kein Sommer mehr, Geliebter, kein Winter mehr, kein Herbst. Frühling wird unser Leben sein, Frühling, Frühling, Frühling. Erblühende Bäume, farbenprächtige Blumen, duftende Wiesen, getaucht in fröhliches Vögelgezwitscher, beschützt vom klaren blauen Himmel, von der Sonne mit warmen Strahlen beschenkt. Das ist unser Leben, Geliebter. Spürst Du nicht, wie es uns beide zu sich ruft? Das Leben will uns ein Geschenk machen. Es will uns diesen Frühling schenken, nur uns beiden. Wenigen Menschen nur läßt der Frühling diese Ehre zuteil werden. Wir müssen diesem Ruf folgen - wir werden diesem Ruf folgen. Hand in Hand werden wir vor ihm stehen und mit einem Lächeln werden wir uns bedanken. Er hat unsere Fäden zusammengeführt, ineinander zu einem Band verflochten, daß durch nichts mehr getrennt werden kann. Mein Faden ist ohne den Deinigen wertlos, haltlos, an jeder Stelle von solch einer dünnen Stärke, die ein bloßer Atemhauch schneiden könnte. Und auch Dein Faden ist nicht stärker. Aber zusammen, Geliebter, zusammen kann dieses Band die Last dieser Welt mit sich ziehen. Zusammen, Geliebter, kann es die Last dieser Welt fern von sich halten. Niemals wird uns Unglück widerfahren, niemals, Geliebter, niemals wieder!

(Nach meinem letzten Wort bin ich aufgestanden und ziellos durch mein kleines Zimmer geirrt. Immer noch kann ich dieses Unglück von damals nicht verstehen. Von damals, mein Gott, damals. Kaum einen Hauch der Zeit liegt es zurück, aber es erscheint mir, als wäre hunderte von Jahren vergangen. Doch was ändert das schon? Untrennbar führen unsere Fäden durch alle Gewalten der Zeit. Unbeirrbar gleiten sie durch Stürme, durch Nebel und Sonnenschein, durch Kälte und Wärme. Ach Geliebter! Nun schreibe ich diese kurzen Zeilen, um Dir mitzuteilen, daß ich der Vergangenheit wegen leide und gleich wieder meine Kreise durch dieses Zimmer ziehen werde, auf der Suche nach Worten.)Ich glaube, nun, nach endlos vielen Kreisen, die Worte gefunden zu haben. Zwei Jahre ist es nun her, beinahe auf den Tag genau. Es war der 31. Mai dieses Jahres (und Du siehst, daß alle mit Dir zusammenhängenden Daten sich tief in mein Herz gebrannt haben!), von diesem Tag an wurdest Du mir entrissen. Warum muß man alles Glück dieser Welt stets mit Schmerz bezahlen? Wenn ich jetzt zurückdenke, so war es der traurigste Tag in meinem Leben. Er führte mich zu einem von Schmerz durchtränkten Weg. Dunkel war er und giftige Dornen spalierten ihn. Tausende Male bin ich blind gegen solch einen Dorn gerannt. Durchstochen wurde mein Körper und meine Seele. Sein Gift hat er in mich fließen lassen und immer tiefer fuhren die Dornen. Immer schmerzvoller wurde das Gift, immer heftiger wand und krümmte ich mich unter diesen Schmerzen. Ich entsinne mich noch jenes Tages, Geliebter, dieses stürmischen 31. Mai jenen Jahres. Der Tag, an dem Gott und Teufel auf dieser Erde wandelten und ihre Heerscharen aussandten, der Tag, an dem ein erbitterter Kampf zwischen den Engeln des Himmels und jenen der Hölle tobte. Wer gewann? Wer verlor diesen schrecklichen Kampf? Ich vermag es nicht zu sagen, doch ihr Kampf ließ diesen furchtbaren Weg zurück. Wie eine Flut brach er über uns tosend herein. So unerwartet, daß wir beide gelähmt es walten ließen. Immer länger dauerte dieser Kampf. Entzücken wich Erschauern. Erschauern wich Entzücken. Keiner von uns war einer Bewegung fähig. Immer länger dauerte er an, immer länger. Und dies ließ es noch stärker werden. Es nutzte unsere Starrheit und trennte das Band. Und als wir uns zu regen begannen war es zu spät. Immer leiser erklangen unsere Worte, bis wir selbst unsere eigenen nicht mehr verstehen konnten. Von einem grauenvollen, todbringenden Lärm wurden sie verschluckt. Ich sehe noch, wie wir verzweifelt unsere Hände nach dem anderen ausstreckten. Doch immer tiefer zog das Böse unsere Körper und unsere Seele. Du wolltest mich vor dem Versinken retten und sankst doch selbst. Ich wollte Dich aus diesem gräßlichen Sumpf emporziehen und doch zog er auch mich hinab. Verzweifelt rudernde Hände, die immer weiter voneinander driftend versanken. Es war zu spät für uns. Alles ging so schnell. Keine Hand konnte die andere mehr erreichen. Nur diese Berührung hätte uns vor dem Versinken retten können. Doch zu stark waren die Wurzeln, die sich um unsere Beine geschlungen hatten und uns in die Tiefe zogen. Ein entsetzter Blick von Dir noch, dann entschwandest Du meinen Augen.

(C) 2005 Oliver Forrest - Alle Rechte vorbehalten.

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