Die letzten Tage des Schüler Oskar Stuckmann. Ein Schülerdrama. Kapitel 3

”Herr Stuckmann, nun heben Sie doch endlich Ihren Kopf” sprach Knaube mit sanfter Stimme, in der deutlich eine Spur von Spott zu vernehmen war. Er hatte in der Bank des Schülers Platz genommen und mit verschränkten Armen lehnte er beinahe entspannt in dessem Sessel.
”Oder sind Sie am Ende nicht Oskar Stuckmann? Sind Sie gar wer anderer und geben sich nur für unseren lieben Herrn Stuckmann aus? Heißt das, daß es ihm nicht einmal mehr beliebt, in die Schule zu kommen?”

Lächelnd sah er in die Klasse. Aber in kaum einem Gesicht fand er seinen dunklen Frohsinn widergespiegelt und für einen Augenblick durchfuhr ihn ein Gefühl der Unsicherheit, öffnete sich eine kaum benutzte Türe seines Wesens einen kleinen Spalt, um einen sanften Zug von Mitleid zu verströmen. Doch beinahe entsetzt stieß er dieses Gefühl im nächsten Moment mit aller Gewalt von sich und in einem Anflug von tiefem Ärger schrie er Oskar Stuckmann an, nun endlich der Klasse sein Gesicht zu zeigen. Nach einer schier endlosen Zeit begann der Schüler Stuckmann langsam seinen Kopf zu heben. Und wie er mit scheuen Augen aufsah und den Lehrer an seinem Platz sitzend entdeckte, wurde es ihm schwer ums Herz und er kam sich wie der dümmste, unwürdigste Mensch auf Erden vor. Er, dieser allwissende, lebenserfahrene, weltgewandte Mann saß in seiner Bank, auf seinem Sessel, vor seinen Unterlagen, seinen Heften und Stiften und betrachtete das Klassenzimmer von seinem Platze aus. Und still begann er sich seiner zu schämen. Unwürdig erschien ihm alles, daß er in diesem Zimmer nutzte, Bank und Sessel, Stifte und Hefte. Wie eine Verschwendung kam es ihm vor, ja, jeder andere würde dies zu nutzen wissen. Doch wie ein Staubgebilde zerfiel der Sinn von Büchern und Stiften zwischen seinen Händen, rann wie Sand durch seine Finger, um für immer hinfortgeweht zu werden. Nie würde er diese Investitionen rechtfertigen können. Und auf tieftraurige Weise wurde ihm bewußt, daß er niemals die Klugheit und Stärke des Lehrers erreichen würde, ja, schlimmer noch, dieser kluge Mann hatte ihn als schwachen, unwürdigen Menschen entlarvt und von nun an würden wohl alle klugen und weisen Menschen ihn als solchen erkennen.

Mit seiner großen, kräftigen Gestalt wirkte der Lehrer Knaube wie einer jener Menschen, die für Höheres bestimmt waren und sich nur der Gnaden halber mit jungem, unerfahrenem, dornigem Gewächs beschäftigen. Antworten auf alle Fragen dieser Welt schienen sich in ihm wie in einem übervollen Fischteich zu tümmeln, alle Wahrheiten dieser Welt glaubte der Schüler Stuckmann in diesem Menschen vereint zu wissen. Und nun saß solch ein Mensch auf seinem Platz und gab ihm damit zu verstehen, daß er niemals diese Stufe erreichen würde. Hatte er sich zu Beginn des Schuljahres die Tiraden des Lehrers noch damit erklärt, daß ihn dieser einfach nicht leiden mochte, so dachte er nun vollkommen anders darüber. Auf Sympathie oder Antipathie kam es hier nicht an, entscheidend war, daß er nicht in diese Schule paßte. Denn nicht nur aus Knaubes Mund sprachen Knaubes Worte, nein, auch aus Levieuxs und Bellingtons Mund tönten Knaubes Worte. Und jedes dieser Worte ließ ihn sich immer öfters auf dem Weg zu Schule fragen, was er denn eigentlich dort verloren habe, an jenem Platz, an dem er nicht willkommen war und wohl nur noch kurze Zeit geduldet wurde.

So dachte der junge Stuckmann, als er einsam und verloren auf dem Sessel des Lehrers saß und seine feuchten Hände unruhig immer wieder ineinanderlegte. Einige Strähnen seines schulterlangen, braunen Haares hingen über seinem Gesicht, daß die ersten stärkeren Anzeichen einer Pubertät zierte. Hübsch anzusehen war er nicht, der Schüler Oskar Stuckmann, und er wußte auch um dies. Oft vernahm er das gedämpfte Lachen der Mädchen hinter seinem Rücken und manch scherzhaftes Wort eines Kameraden, dem weitere von anderen folgten. Dies alles ließ ihn schweigend und bedrückt das Leben in der Schule von der letzten Bank aus betrachten. Und unsicher waren seine Schritte, wurde er von den Lehrern an die Tafel gebeten. Wankend führten ihn dann seine Beine durch den nicht enden wollenden Mittelgang. Alle Blicke spürte er auf seinem Gesicht und seinem Körper haften und sie brannten und schmerzten.

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Mit kraftlosen Knien stand er an der Tafel und manchmal dachte er, im nächsten Augenblick aus dem Zimmer zu laufen und alles hinter sich zurückzulassen. Seit Beginn der Zeit an dieser Schule hatte eine seltsame Wandlung eingesetzt, eine Veränderung, die anfangs seinen Körper und nun auch seinen Geist ergriff. Doch konnte er die unzähligen Fragen, die sein Geist aufwarf und ihn verwirrten, noch vor der Welt verheimlichen, so war dies seinem Körper nicht möglich. Und oft, wenn er vor einem Spiegel stand, war es ihm, als würde ein fremder, häßlicher Mensch in seine Augen blicken. Stuckmann litt heftig darunter und nur, weil er sein Gesicht vor der Umwelt verstecken wollte, hatte er sich die Haare lang wachsen lassen. Er brauchte sie, denn es war ihm eine letzte Zufluchtsstätte, ein kleiner Verschlag, in den er sich inmitten der Menschen zurückziehen konnte, ein Versteck, daß er stets mit sich trug, wenn er die Wohnung verließ und in die Welt trat.

Zusammengekauert saß er auf dem Sessel und es war ihm, als würde sein Körper immer mehr in sich zusammenbrechen. Krampfhaft begann er, nach goldenen Gedanken in seinen Tiefen zu suchen. Er mußte an irgendetwas denken, sich auf etwas konzentrieren, an etwas fröhliches, freudiges, sonst würde er bald unter der Last der Lehrerworte zu Boden fallen. Seine Aquarelle kamen ihm in den Sinn. Hatte er das Bild ”Baum in einer Winterlandschaft” schon beendet? Oder jenes, wie hieß es noch schnell, achja, ”Baum an der Donau”? ”Dunkler Wald war fertig” und auch ”Der kleinen Birkenwald”, für das der Doktor Interesse bekundet hatte. Vielleicht kauft er es ihm sogar ab. Es wäre das achte Bild, welches er verkaufen würde. Der Bäcker hatte zwei erstanden, der Doktor ebenfalls und je eines nahmen der Briefträger, die Nachbarn Wolodjanek und Salzmann. Kaum mehr als die Materialkosten hatte er verlangt, aber alle Käufer erwiesen sich als sehr großzügig und gaben ein Etliches mehr. Stolz dachte er nun daran, wie beeindruckt sie waren und seine Begabung in höchsten Tönen priesen.
Und wie ihm von mehreren Seiten erzählt wurde, sprach man in der näheren Umgebung von seinem Talent.

(C) 2005 Oliver Forrest - Alle Rechte vorbehalten.

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