Die letzten Tage des Schüler Oskar Stuckmann. Ein Schülerdrama. Kapitel 4

Der Doktor hatte sogar ein Bild im Wartezimmer aufgehängt. Als er es zum ersten Mal dort hängen sah, war er von einem Stolz und einer Freude erfüllt, wie er dies nie zuvor verspürt hatte. Der Doktor hatte ihm anerkennend auf die Schulter geklopft und gemeint, daß es in vielen Jahren vielleicht ein Vermögen wert sei. Und seine Mutter klatschte freudig in die Händen und rief immerzu: ”Ich bin so stolz auf meinen Oskar, ach, so stolz auf mein kleines Bübchen ...” In diesen Gedanken schwelgte der Schüler Oskar Stuckmann, als er auf dem Lehrersessel saß und in die Klasse blickte. Nachtfern nahm er eine hohle Stimme wahr, die unaufhörlich erklang und sich kaum Pausen gestattete. Und unzählige milchige, konturlose Scheiben, aus denen böse zwei schwarze Punkten starrten, bewegten sich sanft schaukelnd zu den Lauten. (...)
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Knapp vor der Schule schlug er eine andere Richtung ein und wanderte ziellos durch die dunklen, verregneten Gassen. Bald hatte er ein Seitenufer der Donau erreicht, an dem sich zu beiden Seiten weite Spazierwege entlangzogen. Als er die Brücke betrat und in das Wasser sah, beschlich ihn eine seltsame Kälte. Aus den Tiefen seiner Seele strich sie, klammerte sich in seinen Gliedern fest und fuhr in seinen Geist. Und plötzlich, als wäre etwas erwacht und würde nun verzweifelt um sich schlagen, stiegen wie aus einem schier unerschöpflichen Füllhorn Erinnerungen in ihm hoch. Momente der Glückseligkeit, in denen die Hände seines Vaters ihn trugen, die schützenden Augen seiner Mutter auf ihm ruhten, Freunde ihm heiter auf die Schulter klopften oder mit ernster Miene vertrauensvoll in Geheimnisse einweihten.

Die Kinder seiner Straße, die sich lachend an seinen Zeichnungen erfreuten und manch Bekannter, der freudig eines erstand. Die Augenblicke, an denen er zum ersten Mal nach dem Atem eines anderen Menschen durstete und in dem ihn das Gefühl solch einer unbekannten Liebe zart striff. Ein sanftes Lächeln legte sich auf seine Lippen und für einen kurzen Moment vermutete er einen verschleierten Sinn hinter all dieser Freude. Doch schüttelte er gleich darauf diese Erinnerungen von sich. Erblaßt waren sie und Zeugnis einer längst vergangen Zeit, eines längst vergangenen Lebens. All diese Erinnerungen bedeuteten ihm nichts mehr. Gegangen war der Vater, fremd waren ihm die Freunde, erkaltet der Mutterschoß. Süß war das Leben und er hatte diesen Geschmack einst erfahren. Es gab ihn, doch er wußte um seine Unwiederbringlichkeit und niemals wieder glaubte er sie zu schmecken, niemals wieder würde ihm dieses Glück widerfahren, nein, nicht ihm. Immer stärker wurde sein Körper von einer eisigen Kälte durchzogen. Langsam hob er seinen Kopf und sah zum Himmel. Drohend hingen die dunklen Wolken über seinem Haupt und auf einmal tat sich am Himmel ein kleines Tor auf. Es war, als hätte er es erwartet und ruhig betrachtete er die vielen kleinen Punkte, die aus einer hellen, hinter dem Tor verborgenen Welt in diese strömten. Die Reiter erschienen, die Reiter, die von einer unsichtbaren Macht ausgesandt ihm stets ein Stück nähergekommen waren. Schnell kamen sie auf ihn zu und niemals war ihr Geschrei lauter und unerbittlicher, niemals war ihr Ritt fordernder und heftiger, niemals waren ihre Waffen furchterregender. Wütend stießen aus den Nüstern der Pferde heiße Dampfwolken und für einen Moment glaubte er, ihren Geruch wahrzunehmen.

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Still und beinahe teilnahmslos blickte er auf die näherkommende Reiterschar. Waren sie bisher immer verschwunden, bevor er ihre Gesichter erkennen konnte, so wußte er, daß an diesem Tag auch dieses Geheimnis seine Offenbarung erfahren würde. Doch niemals hätte er vermutet, was sich seinen Augen zeigte. Die Reiter trugen die Gesichter seiner Mutter, seines Vaters, seiner Freunde und seiner Familie. Er konnte die Gesichter seiner Schulkameraden und seiner Lehrer erkennen. Schuller, Knaube, Levieux, Agnes, hundert andere bekannte Gesichter grinsten ihm böse entgegen und erhoben drohend ihre Schwerte gegen sein Haupt. Er schloß seine Augen und legte erschöpft seinen Kopf auf das Geländer. Betroffenheit breitete sich in ihm aus und für einen Moment fürchtete er, sich übergeben zu müssen. Doch gleich darauf fand er wieder seine Ruhe und blickte zum Himmel. Nichts war mehr von den Reitern zu sehen. Seufzend senkte er den Kopf. Lange stand er in der Mitte der Brücke und blickte zum Wasser. Rastlos peitschte der Regen herab, raunte der Wind wütend durch die Gassen und Straßen und schienen die schweren dunklen Wolken am Himmel die Stadt zu erdrücken. Still verharrte er und je mehr er auf das unruhige Wasser sah, desto leichter wurde sein Geist, schienen Sorge und Freude, Unmut und Fröhlichkeit endgültig zu entschwinden. Nichts erfüllte ihn in diesem Moment, nichts. Ein kurzes, bitteres Lächeln entfuhr ihm und mit festem Griff umklammerte er das Geländer.
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(C) 2005 Oliver Forrest - Alle Rechte vorbehalten

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